Naturschutz

 

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Eichenprozessionsspinner: Neuer Praxisleitfaden des Umweltministeriums

Staatssekretär Dr. Bottermann: „Der Kontakt mit den Raupen birgt schwere gesundheitliche Risiken. Der neue Leitfaden bündelt den aktuellen Stand des Wissens und gibt den Kommunen und beteiligten Institutionen praxisnahe Hilfestellung.“

Das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen hat einen Praxisleitfaden zum Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner veröffentlicht. Im Frühjahr schlüpfen die Raupen dieses Nachtfalters, deren Brennhaare ab Mai zu entzündlichen Hautreizungen und Atembeschwerden führen können.

„Der Kontakt mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners birgt schwere gesundheitliche Risiken. Gleichzeitig unterstützen die Klimaveränderungen ihre Ausbreitung. Der neue Leitfaden bündelt den aktuellen Stand des Wissens und gibt praxisnahe Hilfestellung beim Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner“, erläutert Dr. Heinrich Bottermann, Staatssekretär im Umweltministerium Nordrhein-Westfalen.

Der Eichenprozessionsspinner bevorzugt warme und besonnte Bereiche. Daher kommt er häufig auch an Einzelbäumen und Waldrändern im städtischen Umfeld vor. „Die Kommunen und beteiligten Institutionen haben die Erarbeitung einer gemeinsamen Strategie für den Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner intensiv unterstützt. Hierfür bin ich sehr dankbar, denn der Eichenprozessionsspinner benötigt ein abgestimmtes Vorgehen“, so Bottermann.

Zu den im Leitfaden vorgestellten Maßnahmen gehören die Förderung von Vögeln und anderen natürlichen Gegenspielern, der Einsatz von Fallen, das Entfernen der Gespinstnester und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden, der jedoch nur in einem begrenzten Zeitfenster möglich ist. Darüber hinaus gibt der Leitfaden Empfehlungen zur Staffelung der Maßnahmen je nach Gefährdung, zur richtigen Schutzausrüstung und zu Warnhinweisen für die Öffentlichkeit.

Die Ministerien raten dringend dazu, sich von den Raupen, deren Nestern und Häuten fernzuhalten. Auch sollten, etwa im heimischen Garten, keine Gegenmaßnahmen auf eigene Faust durchgeführt werden. Für das Entfernen der Nester im öffentlichen Raum beauftragen die Kommunen Spezialfirmen. Sofern ein Befall im privaten Garten oder Wald zu beobachten ist, sollten auch hier vom Eigentümer Spezialfirmen beauftragt werden. Ungeachtet dessen sollte das Ordnungsamt der zuständigen Kommune informiert werden, damit die befallenen Stellen von den Kommunen kartiert werden können. Einige Kommunen haben für die Meldung von Vorkommen des Eichenprozessionsspinners bereits Online-Portale eingerichtet.

Die Erarbeitung eines Leitfadens wurde bereits im vergangenen Jahr nach einem Fachgespräch vereinbart. Im März trafen sich Umweltministerium, Gesundheitsministerium, Kommunen, Landwirtschaftskammer und Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen in Lüdinghausen, um mögliche Maßnahmen und ein gemeinsames Vorgehen zu beraten. 

Download des Praxisleitfadens

Der Leitfaden „Überwachung, Bekämpfung und Beseitigung des Eichenprozessionsspinners (EPS) – Ein Praxisleitfaden für die Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen“ steht unter folgendem Link zum Herunterladen zur Verfügung: https://url.nrw/eps_leitfaden

Bei Verdacht eines Gifthaarkontakts empfehlen die Gesundheitsbehörden folgende Maßnahmen:

  • Sofortiger Kleiderwechsel und der Versuch, mit einem Klebeband vorhandene Brennhaare von der Haut abzunehmen
  • Duschbad mit Haarwäsche
  • Bei Augenbeteiligung das Spülen mit Wasser
  • Bei ausgeprägten Symptomen ärztliche Hilfe aufsuchen
  • Hautreaktionen können lokal symptomatisch mit mittelstark bis stark wirksamen Kortikosteroiden behandelt werden
  • Bei Bindehautentzündung Augentropfen, die auch ein Antiseptikum enthalten
  • Gegen den meist stark ausgeprägten Juckreiz sind orale Antihistaminika hilfreich
  • Bei respiratorischen Symptomen (asthmaartige Beschwerden) ist der Einsatz von geeigneten Medikamenten in Form von Dosier-aerosolen indiziert
  • Schwerere Verläufe können eine systemische Kortikosteroidtherapie notwendig machen
Weitere Informationen

 

 

                   taz vom 14.2.2020, S. 8, TAZ-Bericht

Naturschutz: mangelhaft

Deutschland droht eine neue Klage vor dem EugH. Brüssel wirft den Bundesländern vor, die Naturschutzvorgaben der EU zu missachten und Schutzgebiete schlecht zu managen

Von Heike Holdinghausen

Während Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth in Indien mit der dortigen Regierung und Zivilgesellschaft über den Schutz der globalen Biodiversität berät, kassiert Deutschland zu Hause blaue Briefe aus Brüssel. Die EU-Kommission kritisiert, wie die Bundesrepublik die Vorgaben zum Naturschutz umsetzt.

 

In ihrer am Mittwoch veröffentlichten „begründeten Stellungnahme“ heißt es, für die Naturschutzgebiete Natura 2000 fehlten ausreichend detaillierte und messbare Schutzziele. Außerdem verstießen sechs Länder gegen die Transparenzpflichten; demnach informieren sie die Öffentlichkeit nicht ausreichend darüber, was in den Natura-2000-Gebieten erlaubt ist, was nicht, und wie sie sich entwickeln sollen. Die Kommission kritisiert grundsätzlich, wie die 4.606 deutschen Schutzgebiete gemanagt werden und sieht schwerwiegende Auswirkungen auf Qualität und Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen.

 

Natura-2000-Gebiete bilden in Europa ein Netz von Lebensräumen für gefährdete Wildtiere und -pflanzen. Rechtsgrundlage ist die FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat).

 

Auf eine „begründete Stellungnahme“ der Kommission muss die Bundesregierung innerhalb der nächsten zwei Monate reagieren und darlegen, wie sie die Missstände beseitigen will. Überzeugt sie die Kommission nicht, droht ihr ein weiteres Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), ähnlich wie im Fall der zu hohen Nitratbelastungen im Grundwasser, in dem Deutschland verurteilt wurde und noch immer nach Lösungen sucht.

 

„Dass Deutschland bei Natura 2000 seit Jahren schlampt, ist bekannt“, sagt der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Regierung und Länder versuchten, das Thema auszusitzen, weil sie Ärger mit Landwirten und Waldbesitzern vermeiden wollten.

 

Laut Markus Wessel, Leiter Naturschutzpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), setzen die für die Schutzgebiete zuständigen Bundesländer die EU-Vorgaben ganz unterschiedlich um. „Überall dort, wo Personal für Natura 2000 aufgebaut wurde und es im Land klare und ausreichend finanziell unterlegte Verantwortlichkeiten gibt, läuft es besser als früher, so etwa in Thüringen oder Baden-Württemberg“, sagt Wessel. „Wo die Länder die Zuständigkeiten ohne Unterstützung an die Kommunen delegiert haben, geht der Naturschutz oft den Bach runter“, so Wessel.

Nach einem Bericht des Bundesumweltministeriums vom Sommer 2019 über den Zustand von Arten und -Lebensräumen, die nach der FFH-Richtlinie der EU geschützt sind, gibt es Probleme vor allem in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten. Sie seien „überwiegend in einem schlechten Zustand“, schrieb das BMU. Diana Pretzell, bei der Naturschutzorganisation WWF zuständig für Biodiversitätspolitik, fordert: Wir brauchen einen Aktionsplan für unsere Schutzgebiete: „Sie sind das Tafelsilber unserer Natur, für sie tragen wir die Verantwortung.“ In Nationalparks und in den Kernzonen von Biosphärenreservaten müsse die wirtschaftliche Nutzung aufhören, in anderen FFH--Gebieten, etwa Heidelandschaften, eine für das Schutzziel notwendige Bewirtschaftung erfolgen, etwa die Beweidung durch Schafe. Wichtig sei, dass Pestizide in Schutzgebieten künftig nicht mehr eingesetzt würden, so Pretzell.

 

Unterdessen erwartet Berlin in Sachen Naturschutz schon neuer Ärger. Das besonders schützenswerte „artenreiche Grünland“ ist hierzulande derart bedroht, dass die EU-Kommission die Bundesregierung in einem alarmierten Brief um Klärung gebeten hat, wie der Zustand von „mageren Mähwiesen und Berg-Mähwiesen“ verbessert werden soll; das ist die Eskalationsstufe vor der „begründeten Stellungnahme“.

 

 

Ein frohes neues Jahr aus Naturschützer-Sicht?

(Soweit hier Presseartikel zitiert werden, sind diese auf dieser Homepage unter PRESSE hinterlegt.)

Und so beginnt das neue Jahr 2020:

Die Stimberg-Zeitung berichtet am 09.01.2020, dass BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung fordern, in Anbetracht des Insektensterbens den Export von in Europa verbotenen Pestiziden in andere Regionen der Welt zu verbieten. Dazu haben beide aktuell einen sog. Insektenatlas aufgestellt, der den Zustand des Insektenbestandes einschließlich der Problematik der Verluste und die Gründe dafür beschreibt.

Die Landesanstalt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz in NRW schreibt in der letzten Ausgabe ihrer vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift "Natur in NRW" u. a. folgende Einzelberichte:

Hohe Windraddichten senken den Bestand des Rotmilans.

Bei den Pflanzen (in Deutschland) sind die Allerweltsarten am stärksten zurückgegangen.

Der dramatische Abwärtstrend bei den Feldvögeln hält an.

Der Insektenrückgang ist weitreichender als vermutet.

Der nationale FFH(Flora-Fauna-Habitat)-Bericht bewertet den Zustand vieler Arten und Lebensräume weiterhin als kritisch.

Wenn man dann noch die Kernaussagen in den einzelnen Artikeln zur Kenntnis nimmt, hält man den unglücklichen Propheten Hiob aus dem Alten Testament bezogen auf die beschriebenen düsteren Zustände im Naturschutz für eine durchgängig positiv eingestellte Frohnatur.

 

Nun zu den einzelnen Schlagzeilen:

Festgestellt wurde, dass in Landkreisen mit einer hohen Dichte an Windkrafträdern die Rotmilanbestände abnehmen, während sie in Landkreisen ohne Windkrafträder zunehmen.

Die größten Abnahmen gab es in einigen Landkreisen in Sachsen-Anhalt, Ostwestfalens und Mittelhessens, jeweils dort, wo sich Windkraftanlagen (WKRs) konzentrieren. Bundesweit betrachtet sind die Rotmilanbestände stabil, doch insbesondere im Nordosten Deutschlands, wo sehr viele Windkrafträder stehen, nehmen sie deutlich ab, während sie im windradarmen Südwesten des Landes zunehmen.

Der NABU meint dazu, dass man die Wende bei dem zur Zeit stockenden Ausbau der Windenergie nicht auf Kosten des Artenschutzes erzwingen darf, (Anmerkung des Verfassers: "Zumal nicht die Vögel selbst, sondern sehr, sehr oft die unmittelbaren Anlieger der geplanten Windkraftanlagen kräftig auf der Bremse stehen, weil die WKRs einen deutlich negativen Einfluss auf ihre Lebensqualität haben - so wird vorgetragen ..."). So möchte der NABU, dass auch die kumulative Wirkung vieler einzelner WKRs angemessen berücksichtigt wird usw.

Die Naturschutzverbände haben natürlich ein Problem: Atomkraftwerke weg, Kohlekraftwerke weg … WKRs bauen ggf. Rotmilane weg? Dazu kommt, dass die Bundesrepublik Deutschland beim Rotmilanschutz außerordentliche Verantwortung für den europa- und weltweiten Rotmilanbestand hat, denn bei uns leben die meisten Rotmilane auf der ganzen Welt. Was macht denn das für einen Eindruck, wenn wir anfangen, aus welchen Gründen auch immer, die Rotmilanbestände nach und nach zu schreddern? Wir, die wir uns doch immer (naja, fast immer) vorbildlich verhalten wollen, überall. Wir liquidieren eine Art, die es in dem Umfang nur noch bei uns gibt?

So - das kann natürlich nicht sein, also müssen wir wieder mal nach sog. intelligenten Lösungen suchen. In der Vergangenheit war es so, dass die Sichtung von Rotmilanen und deren Horsten schlagartig zunahm, wenn in der Nähe der "Entdecker" ein WKR geplant wurde ... Nun sind WKRs nicht nur und allein für rote Milane ein Problem, sondern auch andere (z. B. Zug-)vögel sind oft gefährdet und verunfallen. So hat vor einigen Jahren ein Pärchen Uhus in einem unserer Nachbarkreise die Errichtung von WKRs im Wald verhindert.

Also hat man bei der Planung von Neuanlagen nicht nur den Naturschutz, sondern obendrein die Anwohner "an den Hacken". Das ist ein Spagat, der erstmal geleistet werden muss. Zumal eines auch sicher ist, Greifvögel wie die roten Milane nehmen oft auch Fallwild, also Aas. Da unter den WKRs nun auch schon mal (manche Kenner sagen - zu oft) verunfallte Vögel liegen, hält einen Vogel mit einem Aktionsradius vom Horst aus gerechnet von 15 km nichts zurück, regelmäßig die WKRs in seiner Nachbarschaft abzuklappern - auf der Suche nach leichter Beute.

Wenn die Landwirte ihre Wiesen mähen, kommen Störche, Reiher, Eulen, Käuze und Greifvögel nebst Rabenvögeln und suchen die gemähten Wiesen ab. Sicher geht es auch um Mäuse und Insekten, aber bis zum Rehkitz bleibt auch einiges an Wild auf der Strecke, und alles, was schon liegt und genießbar ist, braucht der Interessent nicht zu jagen. Also einfache Nahrungsbeschaffung wie an der Autobahn und der Landstr., wo Turmfalken und Mäusebussarde, auch wieder Rabenvögel und auch Füchse gern nachsehen, was die Autofahrer heute so im Angebot haben ... Risiko inklusive - wer nicht aufpasst bei der Suche, wird möglicherweise selbst zum Frischfutter.

Dies gilt es alles zu bedenken und eine komplette Lösung, die alle Risiken für alle ausschließt, wird es wohl nicht geben, leider.

Zum nächsten Punkt - Rückgang von Allerweltspflanzen:

Bisher haben wir uns Sorgen gemacht um seltene Orchideen irgendwo versteckt in einem Naturschutzgebiet. Jetzt sorgen wir uns um Pflanzen, die jeder kennt (den Kiebitz kannte früher ebenso wie die Feldlerche jedes Kind).

Die Uni Rostock stellte fest, dass zwei Drittel von 355 untersuchten Pflanzenarten heute weit weniger verbreitet sind als früher.

Verantwortlich dafür sei u. a. die seit den 1980er-Jahren massenhaft eingesetzte künstliche Düngung in der Landwirtschaft. Und alle rufen wieder nach den Verantwortlichen.

 

Der dramatische Abwärtstrend bei den Feldvögeln wie Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche hält an.

Die Fakten sind bekannt. Die Verluste sind deutlich zu bemerken, und zwar dadurch, dass man die Arten einfach nicht mehr sieht und hört, und zwar an den Stellen, wo sie vor Jahren so zahlreich vertreten waren, dass man kein Wort über sie verloren hat.

Rebhühner Rückgang seit 1992 89 %, Kiebitz 88 % und Feldlerche 45 %

Und nun zur obligatorischen Schuldzuweisung. Als wesentliche Ursache für die Bestandsrückgänge sehen Fachleute (wohl alle außerhalb der Landwirtschaft) die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere durch Pestizideinsatz, starke Düngung (Ergänzung des Verfassers: Irgendwo muss der Nachlass der zahlreich vorhandenen Schweine aus den Mastbetrieben ja bleiben), den Verlust von Landwirtschaftselementen wie Ackerbrachen, die Einengung der Fruchtfolgen, vermehrter Maisanbau für Biogasanlagen usw.

Weitreichenderer Insektenrückgang:

Die TU München stellt bei einer Untersuchung fest, dass sich auf vielen Flächen etwa ein Drittel weniger Insektenarten tummeln als noch vor einem Jahrzehnt. Untersucht wurden Flächen in Brandenburg, Thüringen und Baden-Württemberg. Über eine Millionen Insekten wurden zwischen 2008 und 2017 gesammelt. Es konnte nachgewiesen werden, dass viele der 2700 Arten rückläufig sind. Sowohl auf Waldflächen als auch auf Wiesen gab es nach zehn Jahren etwa ein Drittel weniger Insektenarten. Seltene Arten sind ganz verschwunden. Die reine Biomasse der Insekten ging in den Wäldern ab 2008 um 40 % zurück, im Grünland sogar um zwei Drittel.

Schuldzuweisungen oder Vermutungen enthält dieser Bericht nicht.

Zum FFH-Bericht - Zustand vieler Arten und Lebensräume kritisch.

Als wesentliche Faktoren für die negativen Trends nennen das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz die moderne Landwirtschaft, zu hohe Stickstoffeinträge und die fortschreitende Fragmentierung wertvoller Lebensräume unserer Landschaft usw.

So, kurz und knapp wie früher in der Schule - was lernen wir daraus und was kann bzw. muss man sofort tun?

Zunächst einmal treffen ein Großteil der erhobenen Vorwürfe und Anschuldigungen im Prinzip fast allein die Landwirtschaft und deren Verbände sowie die chemische Industrie, die Pestizide, Herbizide und Co. auf den Markt und an den Mann bringt. Gleichzeitig gibt es natürlich auch Leute, die an entscheidenden Stellen zulassen, dass diese angeblich hochgefährlichen und schädlichen Mittelchen in den Verkauf kommen dürfen, wobei dem armen Landwirt gesagt wird, wenn du das nicht machst, brechen deine Einnahmen weg, du entziehst dir selbst deine Existenzgrundlage.

Nun werden nach diesem ständig anhalten Shitstorm die Landwirte aktiv und beklagen, sie würden nicht wertgeschätzt. Die sehr tele- und fotogene Landwirtschaftsministerin, die sich vom Aussehen her auch sehr als Vorstandsvorsitzende eines Kosmetikherstellers inkl. Outfit eignen würde, gibt Schützenhilfe und sagt Unterstützung zu (Frage: Wer hilft eigentlich der Umweltministerin?).

Zunächst die Fakten:

Für Gülle, übermäßige Düngung, Nitrat und Nitrit in den Bächen und im Grundwasser ist die Landwirtschaft und im Einzelfall der handelnde Landwirt verantwortlich. Wer seinen Schweinemastbetrieb ausbaut um der zuständigen genehmigenden Aufsicht versichert, er kommt mit der Beseitigung der tierischen Exkremente klar, ist auch verantwortlich, wenn in der Nähe seiner von ihm gedüngten Felder die Messwerte negativ explodieren, wenn bewiesen ist, dass sein Handeln ausschlaggebend war.

Wer seine Wiesen, Pflanzen und Felder mit Pflanzenschutzmitteln und Insektengiften vernebelt, sodass Biene, Libelle und Fliegen etc. tot zu Boden sinken, Wildkräuter und Gräser verdorren und weder Wildtieren noch Insekten zur Verfügung stehen, muss sich nicht wundern, wenn seine Apfel- und Birnbäume plötzlich nicht mehr so ertragreich sind. Im Fernsehen konnte man sehen, wie in China Erntehelfer die Bestäubung mangels Bienen per Hand erledigen. Also per Leiter von Blüte zu Blüte, mit Biene und anderen Insekten geht das deutlich schneller und günstiger.

Rebhühner und Hasen sind Feinschmecker, sie lieben Kräuter, Sämereien - am liebsten unbehandelt. Feldlerchen fangen Insekten, wenn welche da sind und bauen ihr Nest am Boden. Keine Insekten da - keine Möglichkeit, mangels Angebots ein Nest zu bauen - Feldlerche weg ... Kiebitze lieben es feucht, also Wiese mit Teichen und Bächen, wo man ordentlich brüten und im Boden stochern kann. Die Feuchtigkeit soll aber nicht durch großzügige Düngung erzeugt werden. Kurzum wie immer - keine Feuchtwiesen bzw. entsprechende Wiesenflächen - Kiebitze weg.

Das ist der aktuelle Zustand und JETZT - nicht nach weiteren jahrelangen Untersuchungen und Zählungen sowie Endlosdiskussionen - muss gehandelt werden. In zehn Jahren gibt es unsere Natur nicht mehr so, wie wir sie gern hätten und - nicht jedes Tier ist ein Wolf, Wanderfalke oder Wisent und kommt irgendwann möglichst von selbst wieder.

Die angeblich fehlende Wertschätzung der Bauern (Landwirte) ist nach meinen Feststellungen nicht das Problem. Jeder verständige Bürger sieht, dass Landwirte und ihre Angehörigen durchweg eine Sieben-Tage-Woche ohne Urlaub haben. Es gibt auch wohl kaum landwirtschaftliche Betriebe mit einem Acht-Stunden-Tag. Der Landwirt ist wetterabhängig, vieles, was geht und muss, wird erledigt, wenn die Zeit dafür da ist, und manchmal ist auch Eile geboten, dann wird auch von morgens bis abends und auch am Wochenende gearbeitet, unvermeidbar. Die allermeisten Landwirte erledigen ihre Arbeit gern, wenn man sie fragt. Die Tiere haben frühmorgens Hunger und abends auch, auch am Wochenende.

Dem Landwirt wird auch sein Einkommen gegönnt, er soll nicht nur von dem, was er mit seiner Mannschaft leistet, leben können, er muss auch investieren, erneuern, und ggf. neue Wege beschreiten - das gibt es alles nicht zum Null-Tarif.

Was die Leute außerhalb der Landwirtschaft ärgert, das ist z. B. die Entsorgung von Gülle aus anderen Bundes- bzw. Nachbarländern, wenn wir hier schon selbst durch Überdüngung auffällig geworden sind. Endlose Maisfelder sind inzwischen kein Hingucker mehr, sondern eher ein Weggucker. Wenn der dringende Verdacht besteht, dass die Schädlingsbekämpfung nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge wie Bienen, aber auch unverdächtige Tiere ausrottet, dann wird das Bekämpfungsmittel zwar auch der chemischen Industrie, aber vor allen Dingen dem direkten Anwender angelastet.

Was nicht geht, ist, die Landwirte zu enteignen und ihnen vorzuschreiben, ab sofort ihr Land liegen zu lassen, weil Urwald und Steppe sowie weite Savannen angesagt sind. Wer das will, muss die Eigentümer fragen, verhandeln und angemessen finanziell entschädigen. Wichtig ist, dass wir von unseren Landwirten nicht ein Tun oder Unterlassen einfordern, welches in den Nachbarländern zulässig ist. Das wäre Wettbewerbsverzerrung und wer glaubt, dass er unseren Landwirten etwas nicht abkaufen kann, weil es falsch behandelt ist, kann nicht hergehen und das gleiche Produkt im Supermarkt kaufen, wenn es in den Nachbarländern auf Kosten der Umwelt mit Mitteln, die wir hier verbieten wollen, erzeugt wurde, möglichst billiger als es unsere einheimischen Erzeuger leisten können, weil sie ja bei uns den Naturschutz an den Hacken haben.

Die Landwirte brauchen Chancengleichheit und ohne die berüchtigten Bürokratieauflagen eine finanzielle Entschädigung, wenn verschärfte Naturschutzauflagen nur und ausschließlich vom landwirtschaftlichen Erzeuger finanziell aufgefangen werden sollen. Naturschutz ist nicht nur eine Sache der Landwirtschaft und wir Nicht-Landwirte genießen die frische Luft, die günstigen Preise der Produkte und rennen dem Bauern über seine Felder und Wiesen, um Schmetterlinge und Libellen zu fotografieren und um zu schimpfen, wenn ein Traktor mit Heuanhänger dahinter auf dem Weg vom Feld zum Hof nicht mindestens 80 km/h fährt.

Übrigens - ich habe mich bisher mit allen Landwirten, die ich höflich gefragt habe, gut unterhalten und viele Dinge erfahren, die mir so nicht bewusst gewesen sind (zumal Landwirte auch sehr gut ihre tierische und pflanzliche Umwelt kennen). Ist ja nun kein Wunder, wenn Storch und Co., wenn es ans Pflügen geht, schon auf das Motorengeräusch reagieren und pünktlich zur Nachsuche zur Stelle sind.

Wichtig ist nur, dass jetzt endlich gemeinschaftlich sinnvoll gehandelt wird. Ob alles, was wir jetzt tun, tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist, wird sich später herausstellen. Aber sicher ist, dass sich ohne Aktivitäten der Ist-Zustand weiterhin ständig verschlechtern wird, und das wollen Land- und Nicht- Landwirte - beide - nicht. Fraglich ist doch nicht das Ergebnis oder das Ziel, es geht doch "nur" darum, wie. Und es geht ums Geld. Das Schlusswort gebührt unserer Bundeskanzlerin. Sie sagte, wenn auch in anderem Zusammenhang: Deutschland ist ein reiches Land. Wir schaffen das. Recht hat sie, die Kanzlerin.

 

Ulrich Kamp

NABU Ostvest

12.01.2020

Zu "Ein frohes neues Jahr 2020 für Naturschützer"

Der Bericht beschreibt durchaus zutreffend die aktuelle Situation. Wer hat aber letztlich dafür gesorgt, dass die Gesamtsituation einschl. Artensterben, Monokulturen etc. so ist, wie sie zurzeit ist?

Alles wird in den entsprechenden Ausschüssen innerhalb der EU gesteuert. Nach welchem Schlüssel werden die Subventionen verteilt? Es scheint, es geht in keinster Weise um Naturschutz usw., sondern nach dem Gießkannenprinzip erhalten die Eigentümer bzw. Pächter großer Flächen hohe Subventionen und kleinere Flächenbesitzer eben weniger. Dabei ist es egal, wer nun besonders nachhaltig oder umweltfreundlich agiert. Aktuell wird übrigens die Höhe der Subventionen für die nächsten fünf Jahre europaweit in Brüssel verhandelt. Dabei siedeln bei weitem nicht alle Mitgliedsländer Nachhaltigkeit, Tierschutz, Pflanzenschutz auf der Prioritätenliste ganz oben an ...

Es gibt bei der Verteilung der Subventionen zwei wesentliche Säulen. Die erste Säule ist die direkte Flächensubvention, die Großflächenbesitzer bevorteilt. Die zweite Säule, die für Umwelt und Natur viel bedeutender ist, beschäftigt sich mit den Mitteln (Höhe, Umfang) für den ökologischen Anbau, dazu werden Maßnahmen und Subventionen dafür festgeschrieben.

Leider hat es den Anschein, als ob es der Agrarlobby, also den Funktionären und Organisationen der Landwirte, eigentlich viel mehr (vielleicht ist ausschließlich der bessere Begriff) um eine ordentliche flächenmäßige und nicht anlassbezogene Subventionshöhe, geht. Und so wie sich die Situation seit Jahren - leider auch in Deutschland darstellt - sind große Änderungen und Verlagerungen zugunsten des Natur- und Umweltschutzes MIT UNTERSTÜTZUNG DER POLITISCHEN PARTEIEN nicht zu erwarten. Dann würde sich auch in den nächsten fünf Jahren und natürlich mittelfristig darüber hinaus am Artensterben usw. nichts ändern. Es wird sich leider vermutlich nicht wesentlich irgendetwas ändern, weiterhin wird über Erhebungen (langfristig natürlich), Untersuchungen, Betrachtungen, Diskussionen eine weitere Verschleppung des Kernproblems zu erwarten sein. Frage: WOLLEN WIR DAS? ODER IST ES NICHT SINNVOLL, UNSEREN POLITIKERN VOR ORT EINMAL KONKRET ZU SAGEN, WAS DER NORMALBÜRGER VON MONSANTO, GLYPHOSAT USW. HÄLT?

Wir können auch politischen Parteien über die Wahlen den Auftrag erteilen, einmal die Interessen der Natur nicht nur in den Blick zu nehmen, sondern durch klare Maßnahmen zu vertreten, bevor buchstäblich alles den Bach runter geht.

Und noch eine Anmerkung zu Windkrafträdern. Nicht nur Vögel, sondern insbesondere Fledermäuse und Fluginsekten werden dort geschreddert. Zusätzlich: Die LANUV hat u. a. dem großen Abendsegler (Fledermausart) einen guten Erhaltungszustand bescheinigt. Tatsächlich geht nach Meinung der in dem Bereich tätigen Fledermausfachleute diese Art zurück. Alle Fachleute an der Basis wissen das und sind sich nicht darüber klar, wo die LANUV die positiven Informationen erworben hat - jedenfalls nicht von den örtlichen Fachleuten (ich bin selbst gerade im Fledermausschutz engagiert, tausche mich viel mit Kollegen aus und verfolge die tatsächliche Entwicklung dieser Tierchen aus Eigeninteresse ganz genau).

 

Alfons Pennekamp

NABU Ostvest, 13.01.2020

Eichelhäherinvasion im Winter 2019/2020?

Der Eichelhäher (Garrulus glandarius) gehört zur Familie der Rabenvögel und ist bei uns ein Jahresvogel. Er ernährt sich recht vielseitig. Raupen, Insekten, Kleinsäuger (Mäuse), im Sommer Insekten, Eier und Nestlinge, im Winter lebt er von gesammelten Eicheln, er betreibt Vorratshaltung und vergräbt Hunderte für nahrungsschwache Zeiten im Winter und Frühjahr. Dabei vergisst er gelegentlich, wo er denn die Eicheln vergraben hat, die Eicheln keimen und werden sogar zu Bäumen. Insoweit unterstützt dieser Vogel die Förster bei der Erneuerung des Waldes.

Im Rahmen der diesjährigen Stunde der Wintervögel hat der NABU darauf hingewiesen, dass es zu ungewöhnlich hohen Einflügen von nördlichen und östlichen Vögeln dieser Art in unserem Land kommen kann. Wir sollten also verstärkt bei der Vogelzählung darauf achten, ob der Eichelhäher nach unserem Eindrücken im Bestand so zugenommen hat, dass sich der Zuzug bemerkbar macht.

Nun - bei uns ist der Eichelhäherbestand, soweit ersichtlich konstant und nicht bedroht. Aber auf plötzliche und unerwartet hohe Zahlen bin ich jedenfalls im Ostvest nicht gestoßen. Da der Waldvogel aber auch gern in Gärten und Parks lebt, kann es natürlich sein, dass sich hinterher beim Vorliegen aller Meldungen zu den Stichtagen ein erhöhter Eichelhäherbestand im Vergleich zu den Vorjahren ergibt. Sichtbar war eine Bestandssteigerung jedenfalls für mich bisher nicht. Abwarten - man wird sehen.

 

Ulrich Kamp

NABU Ostvest     18.01.2020

Das Foto stammt von Wolfgang Gerhardus, Waltrop.

 

PRESSEMITTEILUNG Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW | NABU NRW | NR 3/20 | 17. JANUAR 2020

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Streuobstwiesen – Hort der Artenvielfalt, Kulturgut und Lieferant kulinarischen Genusses

75 Engagierte trafen sich auf der landesweiten Fachtagung „Rund um Streuobst“ in Dortmund

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Düsseldorf/Dortmund - Streuobstwiesen beherbergen mehrere tausend verschiedene Tier- und Pflanzenarten, hier wächst heimisches Obst in einer Fülle von Sorten und Geschmacksrichtungen ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, sie prägen und bereichern das Landschaftsbild. Zahlreiche Initiativen, Verbände und Privatpersonen setzen sich deshalb bereits seit Jahrzehnten für den Erhalt dieses Kulturlebensraumes ein. Ohne ihren Einsatz wäre der Rückgang der Streuobstbestände noch viel stärker, als er es ohnehin bereits ist.

 

Etwa 75 Teilnehmer aus ganz NRW, aus verschiedenen Verbänden, Initiativen und Organisationen sowie weitere Interessierte, trafen sich jetzt in Dortmund, um sich auszutauschen und fortzubilden. Veranstalter der Tagung war das „Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW“, ein vom Umweltministerium gefördertes Projekt, in dem sich Naturschutz- und Landwirtschaftsverbände gemeinsam für den Erhalt und die Förderung von Streuobstbeständen einsetzen. „Streuobstwiesen und -weiden sind oft rund um die Bauernhöfe entstanden, Landwirtschaft und Streuobst gehören zusammen“, betonte Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes Ruhr-Lippe, in seinem Grußwort. „Leider sind heute viele Bestände überaltert, hier sind Nachpflanzungen und eine fachgerechte Pflege dringend erforderlich.“

 

Schwerpunkt der Tagung war die Vermarktung von Streuobstprodukten. „Will man die Streuobstwiesen in einem größeren Umfang erhalten, als es allein über Leidenschaft und Ehrenamt möglich ist, kommt die Wirtschaftlichkeit ins Spiel“, so Dr. Heide Naderer; Vorsitzende des NABU NRW. „Die Erzielung von Einnahmen gibt Anreiz, hochstämmige Obstbäume zu beernten und als Voraussetzung dafür diese auch zu pflegen. So verbindet sich die nachhaltige Produktion von gesunden Lebensmitteln mit der Erhaltung eines ökologisch sehr wertvollen Kulturlebensraums“.

 

Von Tafelobst über Säfte bis hin zu Obstbränden wurden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt, wie man Streuobstprodukte vermarkten kann. „Diese sind meist teurer als die entsprechenden Produkte aus der intensiven Produktion in Obstplantagen und industriellen Verarbeitung, denn Pflege und Ernte auf einer Streuobstwiese und die Verarbeitung in kleineren Mengen sind viel aufwändiger. Die Gewissheit, regionale, schmackhafte und nachhaltig produzierte Produkte zu kaufen, ist den Aufpreis aber wert“, so Eva Lisges, Projektkoordinatorin des Netzwerkes Streuobstwiesenschutz NRW beim NABU in Nordrhein-Westfalen. Mit dem Kauf von Streuobstprodukten könne der Verbraucher also einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieses Lebensraumes leisten.

 

Projektpartner des „Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW“ sind Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU), Naturschutzbund Deutschland (NABU) NRW, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) NRW sowie der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) und der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV).

 

Für Rückfragen:

Eva Lisges, Projektkoordinatorin Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW, Tel.: 0160 95 94 17 86

 

 

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 - 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

PRESSEMITTEILUNG NABU NRW | NR 2/20 | 15. JANUAR 2020

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Natur/Wetter

Was milde Winter mit Tieren und Pflanzen machen

Einmalige Wetterextreme schaden der Natur nicht auf lange Sicht | Dauerhafte Veränderungen durch Klimawandel haben gravierende Auswirkungen

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Düsseldorf - Normalerweise hat der Frost im Januar die Natur fest im Griff. Doch nicht nur in diesem Winter herrschen in NRW Temperaturen wie am Mittelmeer. Ein deutliches Indiz dafür, dass der Klimawandel auch hierzulande bereits spürbar ist. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Natur. Bereits im Dezember setzten Hasel und Erle, Forsythien, Schneeball und Seidelbast Knospen an, jetzt blühen sie an wärmebegünstigten Standorten. Hasel und Erle setzen sogar schon Blütenpollen aus ihren aufgesprungenen Kätzchen frei. Auch Schneeglöckchen, Krokusse, Primeln, Veilchen und Scharbockskraut, also die große Palette der typischen Frühlingsblüher, treiben bereits aus, teilweise mehr als vier Wochen zu früh.

 

„Würde es jetzt wieder kälter, würde der weitere Austrieb ohne Folgen für die heimische Pflanzenwelt einfach stoppen“, erklärt Götz Loos, Sprecher des Landesfachausschuss Botanik im NABU NRW. Bleibe es allerdings mild und die Bildung von Blatt- und Blütenknospen schreite weiter voran, hätten spätere Frosteinbrüche deutlich negativere Folgen. Zwar verfügen die meisten Pflanzen über genügend Energiereserven für einen zweiten, dann allerdings schwächeren Austrieb, sie werden dadurch aber häufig weniger widerstandsfähig gegenüber weiteren Wetterkapriolen oder gar Schädlingsbefall.

Im Garten oder auch im Wald machen sich bereits die hier "überwinternden" Singvögel lautstark bemerkbar: Kohlmeisen, Blaumeisen und Kleiber beginnen bei diesen milden Temperaturen mit ihren Reviergesängen und kundschaften günstige Nistmöglichkeiten aus. Die hier gebliebenen Stare zeigen ebenfalls erste Frühlingsaktivitäten. Beobachtungen von NABU-Vogelexperten belegen, dass viele von ihnen in diesem "Winter" gar nicht erst bis in die Bretagne gezogen sind, denn in diesem Jahr sind günstige Temperaturen und genügend Nahrung auch hier vorhanden. Einige Zugvögel, die sich trotzdem auf den Weg gemacht haben, kann man zudem früher zurückerwarten. Dazu gehören neben dem Star weitere sogenannte Kurzstreckenzieher wie Feldlerche und Kiebitz. Auf die sogenannten Langstreckenzieher wie Störche, Nachtigall und Kuckuck haben diese "Wetterkapriolen" allerdings kurzfristig keinen Einfluss. Sie kommen zu den gewohnten Zeiten in ihre Brutgebiete zurück, da sie in ihrem Zugverhalten wesentlich stärker genetisch fixiert sind. Voraussichtlich wird der Klimawandel langfristig zur Gefährdung der Bestände einiger dieser Arten führen.

Bei winterschlafenden Säugetieren und bei Amphibien ist bei anhaltend milden Temperaturen ebenfalls nur vereinzelt mit gravierenden Schwierigkeiten zu rechnen. „Fledermäuse verfolgen dabei unterschiedliche Strategien“, so Frauke Krüger, Fledermausexpertin beim NABU NRW. Arten wie die Wasserfledermaus verbrächten den Winter in klimakonstanten Quartieren. Dort seien sie vor kurzfristigen Temperaturschwankungen geschützt und verlassen diese nicht. „Andere Arten wie die Zwergfledermaus sind hingegen natürlicherweise bei milden Temperaturen auch im Winter aktiv. Sie sind daran angepasst, die in diesen Phasen spärlich vorhandene Nahrung, wie Frostspanner oder Wintermücken, zu erschließen“, so Krüger weiter. Problematisch werde es für winterschlafende Säugetiere wie Igel, Fledermäuse oder auch Bilche meist erst, wenn milde Phasen zu häufig mit Kälteeinbrüchen wechseln. Dann reichen die angelegten Fettreserven unter Umständen nicht mehr aus, um den Winter in Gänze zu überstehen.

Bei manchen Arten spielt zudem die „Innere Uhr“ eine entscheidende Rolle. „Theoretisch herrschen zwar beste Bedingungen für den Beginn der Amphibienwanderung, aber nicht nur die Temperatur ist ausschlaggebend. Wichtig für Frösche, Kröten und Molche ist das richtige Verhältnis von Tageslänge, Temperatur und Luftfeuchtigkeit, damit die Frühjahrswanderungen beginnen“, so Monika Hachtel, Amphibienexpertin des NABU NRW. Bleibe es allerdings so warm, könne man ab Ende Januar mit den ersten Springfröschen rechnen. Einmal losgelaufen stellen plötzliche Kälteeinbrüche dann eine große Gefahr dar. Wandernde Amphibien würden sich dann nicht mehr rechtzeitig durch Eingraben vor der Kälte schützen können und erfrieren.

Und auch Schmetterlinge, wie das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs, die sich den Winter über in menschliche Behausungen zurückgezogen haben, sitzen bei Temperaturen um die 10 Grad bereits in den Startlöchern. Würde zusätzlich Sonnenschein sie bei den herrschenden milden Temperaturen verlocken auszufliegen, droht ihnen zum jetzigen Zeitpunkt allerdings direkt der Hungertod, da sie noch keine Nahrung finden.

Einmalige Wetterextreme dieser Art schaden den meisten Tier- und Pflanzenarten also nicht auf lange Sicht, ein Klimawandel mit dauerhaften Veränderungen hätte allerdings gravierende Auswirkungen auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Die drohende Klimaerwärmung muss deshalb mit allen Mitteln begrenzt werden, will man die heutige Artenvielfalt erhalten, so der NABU NRW.

 

Für Rückfragen zu einzelnen Artengruppen stehen Ihnen unsere Experten der Landesfachausschüsse gerne zur Verfügung:

Dr. Götz Loos, Landesfachausschuss (LFA) Botanik, mobil: 0175 843 48 73

Christian Härting, LFA Ornithologie und Vogelschutz, mobil: 0151 579 89 876

Jonas Brüggeshemke, LFA Ornithologie und Vogelschutz, mobil: 0157 77 05 31 22

Monika Hachtel, LFA Amphibienschutz, mobil: 0176 27186181

Dr. Frauke Krüger, LFA Fledermausschutz NRW, mobil: 0176 24635551

Karl-Heinz Jelinek, LFA Entomologie, mobil: 0151 15211483

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

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