Mit Ulli Kamp durch das Ostvest

Folge: 11.12.2022

Nun ja, der Spätherbst ist nicht gerade die Paradezeit für idyllische Waldspaziergänge. Aber manchmal scheint auch die Sonne und ansonsten hilft eine dicke Jacke und eine Mütze weiter. Klar habe ich auch inzwischen Lieblingswege und Lieblingsbänke zwecks Pause, aber oft ändere ich auch zwischendurch die Marschrichtung, wenn mir z. B. irgendetwas aufgefallen ist.

 

Und auffällig sind für mich am Kanal gerade im Winterhalbjahr die Eisvögel, die durchweg allein jagen, also keineswegs als Schwarm auftreten. Wenn man die Silhouette des Ansitzjägers kennt (spatzengroß, langer spitzer Schnabel, gedrungener Körper und kurze Beine), so sehe ich ihn oft auf 20 – 30 m Entfernung im Gebüsch oder auf einem überhängenden Ast am Wasser sitzen. Von dort wird beobachtet, was im Wasser passiert, und dann geht es im Sturzflug abwärts, oft mit und gelegentlich auch ohne Erfolg. Meine Lieblingsstrecke im Ostvest ist die Südseite des Wesel-Datteln-Kanals zwischen Ahsener Sportplatz und Marina Flaesheim. Dort ist es auf der Seite, wo die Haard angrenzt, deutlich ruhiger als auf der gegenüberliegenden Kanalseite, dort findet sich vor allen Dingen der Durchgangsverkehr zwischen Haltern, Flaesheim und Datteln ein, hier wird auf Strecke und oft auch auf Geschwindigkeit gefahren, die gegenüberliegende Seite, die ich für meine Fototouren nutze, ist deutlich ruhiger.

 

Wenn der Eisvogel fliegt, also am Kanalufer entlang oder aber auch der Kanal gekreuzt wird, kenne ich ihn nur als Schnell- und Tiefflieger, manchmal gönnt er dem Beobachter vor dem Sichtkontakt einen schrillen (hellen) Pfiff, d. h. "ich komme", Kamera bereithalten.

 

Hat er Beute (oft kleine Fische), so sitzt er auf einem Ast und dreht den Fisch oder klopft ihn, bevor er verzehrt wird. In der Brutzeit jagen die Elternvögel gemeinsam und füttern die Brut in der Brutröhre abwechselnd.

Die Haard ist Spechtland, diese Vögel bleiben ganzjährig und ernähren sich von dem, was der Wald saisonal bedingt auf den Tisch bringt. Wenn Spechte klopfen, so kann das im Frühling Bautätigkeit sein, auch Revierabgrenzung, aber auch Nahrungssuche. Da fliegen die Späne, denn er will an Würmer, Larven und Raupen sowie Insekten (Ameisen und deren Puppen). Und wer hungrig ist und intensiv die Nahrungssuche betreibt, der ist auch mal abgelenkt und lässt sich von einem Beobachter oder Fotografen nicht beeinflussen (wenn es ihm lästig wird, schimpft er kickkickkickkick und notfalls fliegt er ab, oft aber nur bis zum nächsten Baum, hinter dem er verschwindet und um den Stamm herum beobachtet, ob der lästige Besucher sich nicht verziehen will, damit wieder Ruhe einkehrt).

 

Besonders interessant ist es im Frühjahr, wenn Jungvögel in der Spechthöhle sitzen und laut zetern, die Altvögel sollen mal ein bisschen Gas geben, man wäre direkt vom Hungertod bedroht. Sind die Jungvögel älter, dann lehnt sich ein größerer Jungvogel aus der Höhle und ruft ziemlich fordernd und aufdringlich, da können Altvögel kaum widerstehen. Die Bilder zeigen Buntspechte – Aufnahme-Orte im Morgenglück und "zu den Rehwiesen" sowie der Wanderweg vom Parkplatz Katenkreuz zum Feuerwachturm Farnberg. 

Vor längerer Zeit schon ist mir ein Buchenwaldstück in der Nähe der ehemaligen Gernequelle aufgefallen. Der Wald ist eingezäunt und es sind allerlei Hinweisschilder und technische Instrumente aufgebaut. Kurzum - irgendjemand interessiert sich dort für die Abläufe im Wald sowie deren größere und kleinere Bewohner - Insekten und Vögel. Irgendwann wird mir hoffentlich mal jemand erklären, was dort tatsächlich beobachtet und gezählt wird. 

Mein persönliches Hobby - die Wanderwege in der Haard und die Zugänge zu interessanten Orten, die man so nicht einfach finden kann, wenn man sie nicht schon kennt. Vor ein paar Monaten habe ich mich auf dieser HP beklagt, dass Besonderheiten zwar vorhanden, aber oft nicht ausgeschildert sind. Fazit - Leute sind in der Haard unterwegs, haben etwas Ahnung, was sie suchen und wo sie es vielleicht finden könnten, aber konkrete Hinweis gab es oft noch nicht - s. Barbara-Kapelle Nähe Birkentor, auch Stollenmundloch genannt. Und nun mit Hinweis in der Tageszeitung gibt es dort eine Sitzbank, eine Erklärungstafel, um was es hier eigentlich geht - Kohleabbau mitten in der Haard, und neuerdings am Recklinghäuser Weg sogar eine Hinweistafel (ich kenne für den Ort dort jetzt drei Bezeichnungen, nämlich Barbara-Kapelle, Stollenmundloch und Zeche Wald).

 

Schön, dass endlich ein Hinweis dort auf dem Hauptweg angebracht ist. Nur - ich als selbsternannter Fachmann kenne noch nördlich zwei größere Wege, die ca. 100 m am sog. Stollenmundloch o. ä. vorbeiführen, aber keine Hinweistafel haben. Kurzum, wer eine Tafel am Weg a. anbringen kann, müsste eigentlich auch an die Wanderer der Nachbarwege b. und c. denken, oder sind die Kosten (für den RVR) so immens, dass die Anschaffung nicht zu stemmen ist? Wer also vom Katenkreuz Richtung Feuerwachturm Farnberg läuft, muss auf das Hinweisschild - Stollenmundloch o. ä. verzichten oder den Weg selbst finden, oder latscht vorbei und ärgert sich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der RVR will, dass sich Besucher, die drei Wege zum Besuch benutzen könnten, nur zielgerichtet über Erkenschwicker Weg geführt werden sollen. Aber vielleicht sind die Schilder schon angebracht und ich habe sie nur noch nicht gesehen?

 

Und wenn schon, denn schon, am Weg, der an der sog. Scheinzeche aus dem II. Weltkrieg südlich des Feuerwachturms Farnberg vorbeiführt, gehört auch ein Schild, auch wenn nur noch der ehemalige Luftschutzbunker sichtbar ist - heutige Bewohner Fledermäuse.

 

Ulrich Kamp   (19.12.2022)

Was flog denn noch im Herbst?

Na einiges. Die nicht überzeugenden Bilder der Königslibelle an den kleinen Schlossteichen am Horneburger Schloss wollte ich gern verbessern. Auch wenn die Weibchen nur zur Eiablage am Teich erscheinen, Versuch macht klug.

 

Nun - es war eine größere Libelle vor Ort und stand auch für Fotos zur Verfügung. Aber irgendwie sah diese Libelle anders als die Königslibelle aus. Also suchte ich mir Rat bei Ulrike Tyroff aus Datteln, sie hat einfach von einigen Tieren mehr Ahnung als ich - das muss man einfach anerkennen.

 

Sie bestimmte meine Libelle als Herbstmosaikjungfer. Die Namensgebung zeigte auch gleich an, in welcher Jahreszeit diese Libelle hauptsächlich agiert. Ein sehr schönes Insekt (und leider wieder ein Exemplar mehr, um mir die Bestimmung zu erschweren). Nun - man sieht noch besonders an sonnigen Tagen Libellen fliegen, also jagen. Die häufigste Art für mich ist dabei die rote Heidelibelle mit allen Unterarten. Aber mit der Temperaturabnahme endet auch der Lebenszyklus der Libellen, hoffentlich haben alle Exemplare im Nachwuchsbereich alles gegeben, damit ich in nächsten Jahr auch wieder den Libellen nachspüren kann.

Da die "Boller-Störche" (sie wohnen auf der Fläche des Landwirtes Boller, der es ihnen dort behaglich gemacht hat - und wohl auch bei Bedarf zufüttert), im Herbst ihre Zelte bei uns abbrechen werden, um gen Süden zu fliegen, habe ich das Storchennest oft besucht. Einmal dachte ich, ich wäre in eine Mannschaftsbesprechung geraten, denn ein Altvogel hat die vier Jungvögel um sich versammelt und - so sah es aus - eingenordet. Die Jungvögel fliegen etwas eher nach Süden als die Altvögel, sie fliegen genetisch 

bedingt  im ersten Flug nicht nur bis Spanien (wie teilweise die Altvögel, die natürlich von ihrer Reiseerfahrung profitieren), sondern wie alle westlich der Elbe lebenden Störche über Gibraltar nach Nordafrika (die nördlichen Störche, die jenseits der Elbe lebten, fliegen über den Bosporus und Israel nach Afrika). Sie werden nicht von erfahrenen Altvögeln geleitet, sondern sie fliegen zwar gemeinsam, aber eben ohne Beratung und Leitung von Altvögeln.  Im nächsten Jahr kann es gut sein, dass die dann schon reiseerfahrenen Jungvögel auch nur bis Südfrankreich oder Spanien fliegen und sich dann den riskanten Flug über die Meerenge ersparen.

 

Hauptsache, sie kommen wieder, die Altvögel erwarten wir wieder am alten Nest, die dann Einjährigen suchen sich eine neue Bleibe. Als ich diesen Artikel schrieb, waren alle Störche längst unterwegs und evtl. schon an Ort und Stelle im Winterquartier.

Und immer einen Besuch wert ist die alte Fahrt, ein Kanalarm zwischen Datteln und Olfen, dort führt die alte Fahrt per Brücke über die Lippe, die Vögel können also zwischen Kanal-Altarm, Lippe und neuem Kanal wählen, wo sie jagen bzw. leben wollen. Viele Vögel einschl. der eigentlich scheuen Eisvögel haben sich an der alten Fahrt aufgrund der Nähe der Begleitwege für Besucher an Menschen so gewöhnt, dass sie den Fluchtreflex mangels erkennbarer Bedrohung  heruntergefahren haben. Sie lassen Beobachter näher als andere vorsichtigere Tiere an sich heran. Der Fotograf profitiert. Unser Graureiher auf dem Bild war weder schüchtern noch ängstlich, er hatte "die Ruhe weg".

 

Ulrich Kamp (NABU Ostvest)

10.10.2022

Im Herbst unterwegs mit Ulrich Kamp

Auch der Herbst hat schöne Tage. Nur es läuft nicht an allen Tagen gleich ab. Ein alterfahrener Mann vom NABU Herten sagte mal völlig zutreffend: "Die Natur ist kein Zoo." Es gibt immer was zu sehen, nur wie häufig, das bestimmen nicht wir, sondern oft die Objekte, die wir gern sehen würden, selbst.

 

Gleichwohl gab es Ende September 2022 intensive Kontakte mit unserer größten Spechtart, dem Schwarzspecht. Er war sehr gut zu beobachten und zu fotografieren und warum? Er war abgelenkt und arbeitete hochkonzentriert für seine Ernährung, kurzum, er hämmerte laut hörbar intensiv auf alte Baumruinen ein, die die Förster wohl allein für Insekten und damit auch für den Specht unangetastet lassen, bis sie in sich zusammenfallen.

 

Er stützt sich bei seiner Arbeit am Baum fest angeklammert mit dem Schwanz ab und würdigt etwaige Zuschauer kleines Blickes. Er fällt allein durch sein lautes Hämmern auf, wenn er dann noch an einem laublosen Baum arbeitet, "Bühne frei" für den Fotografen. Zu dieser Jahreszeit ruft er zwar auch, aber nicht mehr so oft wie im Frühjahr bei der Balz.

 

Der krähengroße Vogel ist einheitlich schwarz gefärbt, nur auf dem Kopf trägt er eine rote Kappe. Man beachte auch die äußerst kräftigen Krallen, die dem eifrigen Arbeiter einen guten und sicheren Halt verschaffen.

Gesehen und fotografiert habe ich ihn in der Dattelner Haard auf einem Verbindungsweg im Wald zwischen In den Rehwiesen und Im Morgenglück.

Ein paar Tage später hüpfte mir auf einem Waldweg in der Nähe des Birkentores (Haard O-E) eine kleine Rötelmaus (Waldwühlmaus) über den Weg, weder von mir noch von meinem Begleithund (Spitzmischling) irritiert. Der Nager erinnerte mich mit seiner aufgerichteten Sitzstellung so vor mir an ein winziges Känguru, aber Angst oder Respekt vor dem Hund oder vor mir - keine Spur. Der Hund gab Ruhe, ich bekam meine Fotos und die Maus trollte sich am Wegesrand ins schützende Gebüsch. 

Ebenfalls in der Haard, diesmal in der Nähe der ehemaligen (trockengefallenen) Gernequelle kreuzte eine alte Bekannte den Waldweg, eine Blindschleiche. Es ist keine Schlange, auch wenn sie oft für eine Schlange gehalten wird, sondern eine Echse, deren Füße verkümmert bzw. zurückgebildet sind. Sie lebt von Schnecken und Insekten, hat aber selbst viele Fressfeinde (Marder, Nager, Greifvögel, Eulen, Rabenvogel, Reiher und Störche). Im Notfall kann sie fauchen und den Schwanz abwerfen.

Und dann hüpfte mir auf dem Weg In den Wellen (Dattelner Haard) noch ein Grasfrosch über den Weg, stellte das Hüpfen ein, beäugte mich, hielt mich wohl weder für einen Feind noch für fressbar . und trollte sich in eine Hecke. Auch diese Frösche sind für viele Tiere willkommene Beute, die Fressfeinde decken sich mit den Blindschleichenjägern. Seine Beute sind mit Hilfe seiner Schleuderzunge fliegende Insekten. An Wasser ist er nicht gebunden.

 

Ulrich Kamp (NABU Ostvest)

 09.10.2022

Kranichzug über Oer-Erkenschwick

Am Samstag, den 12.11.2022, gegen 13 Uhr bei strahlendem Sonnenschein zogen noch einmal Kraniche über O-E. Wie fast immer habe ich erst die lauten Rufe gehört, dann die Kamera zur Hand genommen und in den Himmel geschaut. Und sie waren da, ca. 500 Vögel, die in einer langen Kolonne rufend und relativ tief fliegend von Norden (Richtung Haltern) nach Süden (über Essel und Suderwich in Richtung Recklinghausen-Süd) zogen. Vermutliches Ziel Südfrankreich/Spanien und vielleicht weiter über Gibraltar nach Afrika. Ich stand bei der Beobachtung gegenüber der Grundschule an der Königsberger Straße und schaute in Richtung Datteln. 

 

Die ersten Züge hatte ich schon am 24.10.2022 gesehen und fotografiert. Aber wie jedes Jahr kommen nach meinen Erfahrungen noch einmal Vogelzüge ca. zwei bis drei Wochen nach dem ersten Sichtkontakt und fliegen gen Süden. Und im Frühjahr geht es dann vom Süden (hoffentlich wie fast immer auch über das Ostvest laut rufend) vom Süden in den Norden.

 

Ulrich Kamp

 

(NABU Ostvest)

Wandern durch die Haard, mit Zielen ...

Barbara-Kapelle Haard
Barbara-Kapelle Haard

Es ist schön, spazieren zu gehen und gesund außerdem. Es ist schön, durch die Haard zu wandern, mit und ohne feste Ziele. Aber es ist auch schön, bestimmte Ziele, von denen man gehört hat, unterwegs zu sehen. Man muss sie nur erreichen bzw. finden.

Und da hapert es leider in der Haard und der RVR (zuständig für die Haard und auch für die Wege) tut sich da mit Rat und "TAT" etwas schwer. Schön ist es zum Beispiel, auf Oer-Erkenschwicker Gebiet den Feuerwachturm Farnberg zu erreichen (geht einfach über den Rundweg A 7 ab Stimbergpark). Aber es hat urlange gedauert, bis der RVR am Wegeabzweig (vorher auf dem Weg  gab es immer schon Hinweise) ein Schild aufstellte. Vor dem Schild habe ich mehr als ein Dutzend Besucher über die Jahre, die tws. bis zum Katenkreuz mit dem Rad "durchgerauscht" waren, wieder dorthin dirigiert, wo sie hinwollten. Nun ja - jetzt ist ein Schild da, es lebe der Fortschritt.

Mancher interessiert sich für den Standort (mit Bunker) der ehemaligen Scheinzeche aus dem II. Weltkrieg, Schild Fehlanzeige. Kleine Erläuterung, wenn man den Bunker erreicht hat, auch Fehlanzeige.

Interessant ist für viele Besucher auch die Barbara-Kapelle (Barbara-Stollen), die von Berglehrlingen an dem Standort einer ehemaligen Tongrube (Nahe des sog. Birkentors) errichtet wurde. Von beiden flankierenden Wege aus gut zu erreichen, aber Schilder Fehlanzeige. Bank ja, Hinführung nein, dafür aber eine Hinweistafel.

Fazit: Magenta - Bänke sind verzichtbar, Naturholzbänke sind mindestens genau so schön.

Aber wer Geld für Bänke hat, der kann es auch finanziell leisten, Hinweisschilder an den Wegen aufzustellen. Klappt ja sonst auch - meistens.  An einem Weg laufen die Wanderer nur mit ca. 10 m  Abstand  am zugewachsenen Eingang des Seitenweges vorbei, können aber die Kapelle nicht sehen, verpassen den kleinen Seitenweg und "erledigt" ist der Besuch . O. K., mancher Wanderer sucht auch die Kapelle nicht, weil er nie von ihr gehört hat, aber  in 10 m nach Sichtung eines Hinweisschildes  so ein Kleinod zu sehen, das ist doch mal etwas. Also RVR, oder wg. m. auch Stadtverwaltung Oer-Erkenschwick oder wer auch immer, Hinweisschilder müssten eigentlich machbar sein, oder?

 

Ulrich Kamp

 

13.05.22

Scheinzeche Haard II. Weltkrieg
Scheinzeche Haard II. Weltkrieg