Natur und Landschaft

Brinksknapp in Oer: Holzarbeiten im Wald

Der Baumbestand in der Haard wird umgebaut

 

Das ist das bereits in der Presse angekündigte Ziel des RVR (Regoinalverband Ruhr - zuständig für das Waldgebiet). Die Pläne des RVR wurden übrigens vorab mit der unteren Naturschutzbehörde beim Kreis  Recklinghausen und der biologischen Station des Kreises Recklinghausen abgestimmt. Damit steht fest, dass die eigentlichen Hüter des Waldes, die auch den Wald bewirtschaften, keine Alleingänge auf der Basis einsamer Entscheidungen durchführen, sondern es geht um die Umsetzung eines gemeinsamen Plans.

 

Kurzum: Der Wald wir umgebaut. Fremde Arten wie Schwarzkiefer und Roteichen, vor Jahren als schnelle und sichere Holzlieferanten angepflanzt, werden entnommen, damit die ursprüngliche Besetzung des Waldes, nämlich Buchen und Eichen, sich besser durchsetzen können gegen die Konkurrenz, die als Amerikaner eigentlich nicht zu unserem Originalpflanzenbestand gehören und eimheimische Arten zurückdrängen.

 

 

Ein Blick zurück

 

Natürlich sind diese fremden Arten von den Waldbetreibern mit gutem Grund geholt und angepflanzt worden. Die Haard sollte Nutzholz liefern, und zwar möglichst schnell, vor über 100 Jahren, als der Bergbau zwecks Kohle-(Energie-)gewinnung geradezu explodierte,  war viel zu wenig Nutzholz vorhanden, also musste gehandelt werden. Sicher ist heute nur, dass Nadelhölzer im Bezug auf das Überleben des Waldes nicht die zukünftigen Heilsbringer sind. Sie brennen leicht, von daher bietet sich der Umbau auf mehr Laubbäume an. Eine schnelle Lösung schienen Arten aus Übersee zu sein, robust, schnell wachsend, gut von der Holzwirtschaft einsetzbar.

 

 

Welche Arbeiten werden durchgeführt?

 

Auf Perspektive stellte man fest, dass diese Arten zwar durchaus brauchbar sind, robust, schnell wachsend, aber sie "buttern die alten Arten wie Eichen und Buchen unter", sie nehmen diesen Bäumen Platz und Licht, hemmen also deren Wachstum. Es ist also nicht so, dass diese fremden Arten nicht brauchbar sind, aber sie leben auf Kosten der gewünschten Altbestände, die wir hier sehen wollen, und das wird reguliert, und zwar duch schonende Entnahme der Fremdlinge. Im Wald gibt es seit Jahrzehnten zwischen den Baumbestände und unabhängig vom Wegesystem sg. Rückegassen, diese werden immer wieder genutzt, um beidseitig im Rahmen der möglichen Reichweite der eingesetzten Maschinen Bäume zu entnehmen.

 

Die Entnahme erfolgt mit großen Maschinen, die die Bäume herausziehen, sofort von Ästen befreien und zum Abtransport vorbereiten bzw. sie zum Lagerplatz bringen, von dem der Abtransport erfolgt. Große Maschinen sind dabei effektiver als allein Menschenkraft, auch Zugpferde können zwar helfen, aber bei größeren Lasten stoßen sie eher an Grenzen als Maschinen.

 

Klar ist natürlich, dass die Rückegassen bei der Arbeit mit schweren Maschinen im Wald im Bodenbereich nachhaltig verdichtet und geschädigt werden. Fährt ein- oder mehrere Male schweres Gerät durch den Wald, wird der Boden nachhaltig und oft für unabsehbare Zeit so festgefahren, dass Bäume und Sträucher dort nur schwer wieder  angesiedelt werden können. Nun ja, das muss aber im Kauf genommen werden, sagen die Experten des RVR. Und da es unvermeidbar ist, dass so eine Arbeit den Boden verdichtet, so ist es sinnvoll, sicjh auf einige wenige Strecken im Wald festzulegen und nicht kreuz und quer durch die Bäume zu fahren, das würde dann hinterher eher einem Truppenübungsplatz der Panzereinheiten ähneln als systematischen Waldaufbau. Wenn schon Schäden, dann aber wenige und begrenzt, da steckt natürlich auch Logik hinter.

 

Also fremde Bäume raus, mehr Platz für alle verbleibenden Bäume und auch für neu (alte) Arten wie Eichen und Buchen.  Fichten und Tannen, also Nadelbäume, sollen nicht mehr das Rückgrat unseres Waldes sein. Dabei hat man auch gewünschte und unerwünschte Besucher, zB. den Eichenprozessionsspinner im Auge. Unser Wunschbaum soll also resistent gegen Krankheiten, gegen Waldbrand, gegen Stürme, Trockenheit, zu viel Wasser, kurzum gegen alles was schadet, sein. Klar ist, diesen Baum gibt es nicht, es gibt immer nur eine Lösung, die Alternativen anbietet, Alleskönner sind zwar erwünscht, aber nicht beschaffbar. Also muss man sich von vielen Lösungen etwas aussuchen, was weitestgehend dem Anforderungsprofil entspricht. Und da sind einheimische Baumarten eben ganz vorn. Wer Jahrhunderte bei uns überlebt hat, könnte es also (vom Klimawandel abgesehen) wohl schaffen, meinen die Fachleute.

 

Warten wir ab, aaaaaber die Holzexperten rechnen nicht in Jahren und nicht in Jahrzehnten, was tatsächlich mit dem Wald wird bzw. ob alles so funktioniert hat wie es  geplant war, da können sich unsere Enkel und Urenkel noch mitbefassen. Optimismus hilft in jedem Fall.

 

 

Ein wichtiger Informationstermin

 

Drei RVR-Forstwirte haben ca. 25 Besucher geführt und alles erklärt, was gefragt wurde - und noch viel mehr. Es waren auch Leute aus dem Nachbarkreisen da, die sich einfach gefragt haben, was am Brinksknapp-NSG passiert, könnte das auch bei uns so laufen bzw. haben wir denn auch Handlungsbedarf? Die Führung des NABU übernahm eine Kollegin des NABU-Ruhrgebietes. Der NABU Ostvest war durch einen Sprecher, nämlich Dr. Andreas Breuckmann und den Unterzeichner vertreten. Ich bin am Brinksknapp ortskundig, aber was ich auf den Wegen und den freigeräumten Flächen gesehen habe, hat mich zunächst einmal "schlucken lassen". Sodom und Gomorrha lassen grüßen, aber in aller Regel bleibt ja bei solchen Arbeiten nach einiger Zeit jedenfalls eine Perspektive. Tatsächlich erholt sich unsere Natur auch nach einem kapitalen Sturm oder Waldbrand - wenn auch erst in Jahren oder jahrzehnten, durch Selbsthilfe. Das tröstet natürlich.

 

 

Der Brinksknappsee ist künstlich, ein ehemaliger Sprengtrichter, er hat keine Quellen oder Bäche, die ihm ständig Wasser zuführen. Deswegen ist auch der Restbestand am Moorgebiet im Einzugsbereich hochgradig ebenso  gefährdet wie der eigentliche Teich, kein Regen, kein Wasser, keine dauerhafte Feuchtigkeit = es folgt die Versteppung. Also keine Frösche, keine Libellen, keine Teichvögel, das könnte ohne regelmäßigen Regen die Zukunft des Teiches bzw. des gesamten Schutzgebietes sein. Das jedoch liegt nicht allein am Klimawandel. Die Haard war immer schon trocken und hatte wenig Bäche und Teiche. Der Bergbau unter der Haard hat ganze Bach- und Teichgebiete endgültig verschwinden lassen  - denken wir an das vor einigen Jahren sehr schöne Gernebachtal mit den dazugehörenden jetzt trockengefallenen Fischteichen. Das wäre dann die Realität, der wir uns ggf. stellen müssen, der Brinksknappteich läuft in Gefahr, das Schicksal des Gernebachbereiches zu teilen.

 

Ich kenne noch ein weiteres angebliches Feuchtgebiet, das dieses traurige Schicksal wohl jetzt schon teilt, das ist das NSG-Jaust-Bruchwald zwischen  den Straßen In den Rehwiesen und der Redder Str.auf Dattelner Gebiet in der Haard . Der Bach, der dort einen erhaltungswerten Erlenbruchwald feucht hält - halten soll - , ist seit Jahren trockengefallen. Die Verlandung hat dort schon längst eingesetzt.

 

Aber wir bleiben positiv. Die Landschaft selbst auch ohne eine stetige Wasserquelle könnte vielleicht einen eigenen Reiz entfalten...

 

Ulrich Kamp

NABU Ostvest 20.12.2022

"Indian Summer" in Oer-Erkenschwick

Ein Herbstbild aus Oer-Erkenschwick, geschossen auf der großen Waldwiese zwischen Holtgarde und Lohhäuser Straße. Wunderschönes Farbenspiel!